Hörraum | Klasse Banasik
Projekt Metall - Tilman Zuckmantel
Ausgewählte Metall-Klänge, die Tilman Zuckmantel zusammengetragen hat, bilden diese metrisch-rhythmische Komposition, die nicht die elektronische Klangbearbeitung und Deformation zum Hauptthema hatte, sondern der s.g. "musique concrete" angelehnte Struktur. Es sind Geräusche von Heizungskörpern, Becken und zahlreichen einzelnen Schlägen mit kleinen Hämmern auf Metallgegenstände. Jedes dieser Geräusche hat schon in sich einen entsprechenden interessanten Raumklang, den wir belassen haben. Die einzelnen, teilweise sehr kurzen und intensiven Klänge wurden zur Rhythmen und Metall-Collagen, einer Art Maschinenenmusik zusammengemixt. Ein recht "analoges" Stück ohne besondere digitale Effektbearbeitung. Ein schönes Beispiel für die Musikalisierung von Geräuschen.
Die Motivbildung und die auftretenden variierten Wiederholungen weisen auf einen gewissenhaften Umgang mit der Frage der Formentwicklung auf.
Aqua - Gabriel Baumgarten
Gabriel Baumgarten hat die Aufgabe bekommen mit einem transportablen Aufnahmegerät (Sony MD Recorder) Wassergeräusche aufzunehmen. Sowohl in dem Gebäude der Clara-Schumann-Musikschule, als auch zu Hause, wurde er fündig. Es standen aber nicht die großen Wassermengen im Vordergrund, sondern eher einzelne Tropfen und langsam fliessende Wasserhähne. Ein Ausflug mit seiner Familie an einen kleinen Bach wurde akustisch sogar mit einem Handy festgehalten und für unsere Komposition verwertet, nachdem der Sound konvertiert und der Qualität entsprechend bearbeitet wurde. Es ist ein Hörstück entstanden, das eine feinsinnige akustische Reise in die Welt des klingenden Wassers erlaubt. Die Form ist fliessend und offen. Die Frage der musikalischen Komposition bzw. Musikdefinition in Bezug auf das vorgefundene Material hat sich dem Schüler völlig neu gestellt.
The nescience - Kestutis Urbonas
Das Stück von Kestutis Urbonas ist durch Geräuschaufnahmen wie Fingerklopfen auf Tischen, Wänden sowie Atmos im Treppenhaus der Musikschule entstanden. Das übergeordnete Thema war "Holz". Aus Probeaufnahmen und spielerischen Test-Sounds wurde ein Ausgangsmaterial erschaffen, das zu dem vorliegenden subtilen Beitrag führte. Kestutis lernte schnell in einer abstrakten Weise zu denken und entwickelte ein tolles Gespür für Klanggestaltung und Klangveränderung, die für sein Stück relevant sein sollten. Die formalen Bezüge und Variationen der Klangmotive und musikalischen Themen sind kettenartig miteinander verbunden. Die "Unwissenheit", die "Ungewissheit" des Hörers, verursacht durch die schnellen mysteriösen immer wieder veränderten Klopf-und Schritt Szenen in einem imaginären Raum, wollte Kestutis mit diesem Stück akustisch darstellen.
centrale électrique - Maximilian Yip
Die Basis dieses Stücks beruht auf der Klavier-Komposition "La Campanella" von Franz Liszt - auf einem Thema aus dem letzten Satz des Violinenkonzerts h-Moll des Geigers Niccolo Paganini. Es wurden einzelne charakteristische Abschnitte und Motive auf dem Klavier gespielt und aufgenommen. Darüber hinaus hat Maximilian Yip auch Geräusche des Klaviers sowie gezupfte Saiten als Ausgangsmaterial benutzt. Alle Sounds wurden geschnitten, bearbeitet, erweitert und mit zahlreichen Effekten versehen. In diesem Fall spielte die Veränderung, Streckung des Materials -und Sounddesign eine große Rolle. Eine eher klassisch angelehnte Form mit Steigerung und Kombination von verschiedenen Motiven sowie Höhepunkt ähnlichen Abschnitten gegen Ende des Werks runden die komplexe elektronische Arbeit ab, die als Teil einer besonders kreativen Leistung innerhalb des Zentralabiturs 2009 am Humboldt Gymnasium Düsseldorf eingereicht wird.
Cusinha - David Lucas Hoberg
Für die Komposition „Cusinha“ wurden ausschließlich Feld-Aufnahmen aus der Küche benutzt. Die verwendeten ‚Instrumente’ reichen dabei vom Besteck über Teller bis hin zur Kaffeemaschine und dem Herd. Die Aufnahmen wurden zunächst geschnitten, sorgfältig betitelt und in einer Sample-Datenbank gespeichert. Als nächstes wurden die Einzelaufnahmen mit Hilfe von diversen Programmen so verändert, dass sie als Teil der Gesamtkomposition und Idee entsprachen.
Ein Kompositionsplan wurde entworfen, so dass die Kombination und Entwicklung der Abschnitte zielgerichtet entstanden sind. „Cusinha“ von David Lucas Hoberg beschreibt eine Wanderung durch die Küche. Vom Einschütten des Wassers in ein Glass bis hin zum Aufwärmen einer Tasse in der Mikrowelle. Die Komposition soll dem Hörer die für uns schon obligatorischen Küchen-Geräusche in einer ganz anderen Form darstellen und ihn in einen neu erschaffenen Raum einführen. Es entstand eine atmosphärische Soundscape Produktion. Durch die kreative Arbeit und Bearbeitung an den Aufnahmen sind die Originalquellen kaum noch zu identifizieren. Nur an einigen wenigen Stellen gibt es die Möglichkeit die Originaltöne herauszuhören, um den Ursprung der Sounds zu erahnen.