Musikakademie Schloss Weikersheim

Im malerischen Ort Weikersheim im Taubertal liegt eine der größten und schönsten Musikakademien in Deutschland. Das von der Jeunesses Musicales Deutschand betriebene Haus bietet alle Voraussetzungen für erfüllte und erfolgreiche Arbeitstage.

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"Musik erfinden" - zweites Symposion zur Kompositionspädagogik 2015

Bericht

Martin Chrtistoph Redel

 

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Bundeswettbewerb Jugend komponiert lud die JMD vom 25.-27. September 2015 zum zweiten Symposion Musik erfinden in die Musikakademie Schloss Weikersheim ein. Eröffnet wurde das Symposion am Freitagabend mit einem Festakt, in dem der langjährige künstlerische Leiter des Bundeswettbewerbs, Prof. Martin Christoph Redel, verabschiedet und Philipp Vandré als sein Nachfolger vorgestellt wurde. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka würdigte in einer Glückwunschnote die Verdienste Redels um den Bundeswettbewerb Jugend komponiert, den er seit seinem Bestehen konsequent zu einem „kulturellen Bildungsort“ entwickelt habe.

Für komponierende Jugendliche ist der jährlich stattfindende Wettbewerb sehr attraktiv, wie die jährlich rund 200 Werkeinsendungen belegen. Die Vergabe der Bundes- und Förderpeise ist verbunden mit einem Vollstipendium der JMD für die Teilnahme an einer der „Kompositionswerkstätten Schloss Weikersheim“, wo die prämierten Werke reflektiert und von Preisträgern und Stipendiaten des Deutschen Musikwettbewerbs des Deutschen Musikrats einstudiert und aufgeführt werden. Martin Christoph Redel hatte diese Kompositionswerkstätten seit 1986 geleitet, bis 2012 gemeinsam mit dem verstorbenen Komponisten und Freund Theo Brandmüller. Im Namen des Präsidiums dankte ihm JMD-Vizepräsidentin Claudia Klemkow-Lubda für sein großes persönliches Engagement. Er habe „Komponieren immer als zutiefst menschliche Schöpfung“ vermittelt und die Werkstätten „zu lebendigen Begegnungs-, Austausch- und Motivationsforen jugendlicher Komponierender werden lassen“.

Musiker des Deutschen Musikwettbewerbs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zahlreiche ehemalige Wettbewerbsteilnehmer, Hochschulkollegen und Komponisten brachten im Anschluss an den Festakt ihre persönliche Verbundenheit zum Ausdruck. Die fachliche Diskussion vertieften sie in dem sich anschließenden Symposion. In Referaten, Präsentationen und Diskussionen zu unterschiedlichen Handlungsfeldern kompositorischen Arbeitens mit Kindern und Jugendlichen wurden Perspektiven für die weitere Entwicklung der noch jungen Disziplin der Kompositionspädagogik erörtert. Möglichkeiten für eine Verankerung des Fachs in der Hochschulausbildung wurden ebenso diskutiert wie Fragen zur Methodik.

Weitere Impulse gaben einige Präsentationen, wie z.B. die Konzepte von KOMPÄD und Klangradar, die pädagogische Weiterbildungen für Komponisten beinhalten, oder der Vortrag „Die Kunst des Fragens“ von Lisa Unterberg zur methodischen Begleitung offener Prozesse. In allen Beiträgen und im abschließenden Roundtable wurde deutlich, dass es beim schöpferischen Umgang mit Musik wesentlich darum geht, Neugierde und Kreativität zu wecken und musikalisches Gestalten als eine Form der menschlichen Ausdrucksmöglichkeit zugänglich zu machen. Komponieren, so der Publizist und Sprachphilosoph Tobias Ruderer, sei nichts weniger als die „science fiction des Sounds“. In der Förderung komponierender Jugendlicher gehe es darum, ihnen und nicht zuletzt unserer Musikkultur dieses „Raumschiff in die Zukunft“ zur Verfügung zu stellen.

Martin Christoph Redel, Claudia Klemkow-Lubda, Philipp Vandré

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Förderung und Pflege zeitgenössischer Musik ist eine der zentralen Aufgabenschwerpunkte der Jeunesses Musicales Deutschland. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg war dies eine bewusste Gegenaussage zu restaurativen Tendenzen im deutschen Musikleben: Neue Musik – damit verbindet sich der Wert einer grundsätzlichen Offenheit für Neues, für unbekannte und unerhörte Töne und die Bereitschaft zur künstlerischen Auseinandersetzung auch mit Werken, deren Aussage sich nicht intuitiv erschließt. Neugierig sein und mit wachem Geist fördern, was es in der Vermittlung schwer hat, darum ging und geht es der JMD. So hatte Martin Christoph Redel bereits 1974 im Rahmen der Sommerkurse der JMD in Weikersheim die Kurse Jugend komponiert initiiert. Diese wurde im Weiteren zu einem  Förderprogramm für junge Komponisten ausgebaut und 1986 gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung Forschung als bundeszentraler Wettbewerb etabliert.

Mit dem aktuellen Symposion Musik erfinden führte die Jeunesses Musicales Deutschland ihr Engagement einer Beförderung der bundesweiten Fachdiskussion zur Kompositionspädagogik fort, das sie mit dem ersten gleichnamigen Symposion im Jahr 2010 in Kooperation mit der Hochschule Osnabrück angestoßen und in den Weikersheimer Gesprächen zur Kompositionspädagogik seither weitergeführt hat. Bereits im Oktober setzt die JMD mit dem Start des bundesweiten Projekts KOMPÄD einen weiteren Akzent im Bereich der Kompositionspädagogik: Im Verbund mit der Universität Köln und der Musikhochschule Saar wurde eine mehrgliedrige pädagogische Weiterbildung für Komponisten konzipiert, die mit einem einwöchigen Seminar in der Musikakademie Schloss Weikersheim beginnt.

Pünktlich zum Jubiläum konnten außerdem mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und dem Hessischen Rundfunk neue Partnerschaften für den Bundeswettbewerb Jugend komponiert verabredet werden, die den Bundeswettbewerb als Fördermaßnahme für junge Komponierende ab 2016 noch attraktiver werden lassen.

Eine  Dokumentation des Symposions ist in Vorbereitung und wird 2016 erscheinen.

 

Fotos: Kamala Börngen, JMD

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